Wie belastet Mikroplastik die Ozeane?

In etwa 2% des produzierten Plastiks finden den Weg in die Meere. Das sind ca. 10 Millionen Tonnen Plastik. Deutlich sichtbar wird dies in den großen Müllstrudeln, die durch die Ozeanzirkulation entstehen. Hier findet sich jedoch lediglich 0,5% des Plastiks in den Meeren.

Kaum sichtbares, häufig gesunkenes Mikroplastik stellt 99% des Plastikmülls im Ozean dar. Dies entsteht durch größere, zerriebene Plastikteile, die von Bakterien oder der Sonnenstrahlung zersetzt werden. Diese Mikroplastik-Teilchen sind kleiner als fünf Millimeter.

Nachdem sich das Mikroplastik im Meer verteilt, sinkt es nach und nach in die Tiefsee ab. Tatsächlich lagern sich die Teilchen im Sediment ab und bilden eine neue geologische Schicht. Die Tiefsee wird leider als Müllkippe ausgenutzt, die das Plastik verschwinden lässt. Aus den Augen, aus dem Sinn.

Mikroplastik, das nicht absinkt, wird von Fischen als Plankton wahrgenommen und gelangt insofern in die Nahrungskette. Erschreckend ist, dass es teilweise sechsmal soviel Plastik, wie Plankton in den Ozeanen gibt.

Durch die großen Mengen an Mikroplastik werden biologische Prozesse beeinflusst und das Plankton kann Kohlenstoffdioxid schlecht binden, um es in der Tiefsee abzusondern. Diese s.g. Kohlenstoffpumpe wird gestört.

In Europa ist festzustellen, dass das Mittelmeer mit rund sieben Prozent des weltweiten Plastikmülls ähnlich hohe Anteile von Plastik wie beherbergt, wie in den fünf ozeanischen Müllstrudeln. Dadurch, dass dieses Meer von Kontinenten umschlossen ist, findet weniger Wasser- und Plastikaustausch mit den Weltmeeren statt. Das Plastik sammelt sich an und lässt das Mittelmeer zu einer europäischen Müllkippe für Plastik werden. Auch in der Nordsee sind ca. elf Kilogramm Müll pro Quadratkilometer festzustellen.
Diese Plastikkrise beeinflusst auf dramatische Weise die Gewässer und sämtliche marine Lebewesen. Tiere verfangen sich in Plastikabfällen oder halten sie für Nahrung, bis sie schließlich daran verenden.

Die Rolle der Textilindustrie beim Problem „Mikroplastik“

Waschmaschinen im Retro-Look

Die am häufigsten verwendete Textilfaser ist Polyester.
Viele Kleidungsstücke bestehen teilweise oder sogar ganz aus Plastik. Oft ist unklar, dass Polyamid, Polyester, Acryl oder Nylon synthetische Fasern sind, die aus Erdöl oder Erdgas gewonnen und hergestellt werden. Damit nicht genug.
Grundwasser, Flüsse und Meere werden durch synthetische Mikrofasern belastet, die besonders bei privaten Waschgängen von Kleidungsstücken mit Polyester freigesetzt werden. 





Quelle: Meeresatlas 2017, Heinrich-Böll-Stiftung. Creative-Commons-Lizenz CC BY 4.0.

Hier die Geschichte der Meere weiterlesen.

  • Welche Rolle spielen die Meere im Klimawandel?
  • Wie gewährleisten Meere die globale Nahrungssicherheit?