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Baumwolle vs. Polyester - Welche Textilfaser ist nachhaltiger? 

Nina Kegel

Nachhaltigkeits-Expertin im Bereich bewusster Konsum und umweltgerechtes Leben

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Um langfristig sicherzustellen, dass unsere Produkte ökologisch und sozial nachhaltig hergestellt sind, ist es essenziell wichtig, die Vor- und Nachteile der beiden am meisten verwendeten Fasern zu kennen.Beide Fasern wurden mehrfach und aus verschiedenen Perspektiven auf ihre Umweltbelastungen hin untersucht.

Angefangen vom Wasserverbrauch der Baumwolle in der Landwirtschaft und der Produktion bis hin zur chemischen Basis des Polyesters und dem Freisetzen von Mikrofasern. In jeder Faserkategorie gibt es unterschiedliche zu bevorzugende Optionen.Statt konventionell gewonnener Baumwolle gibt es Bio-, Fairtrade- und GOTS-zertifizierte Baumwolle, während in der Polyesterkategorie mechanisch oder chemisch recyceltes Polyester vorhanden ist.

Baumwollpflanze

Baumwolle

ist eine Naturfaser, die biologisch abbaubar ist. Der Anbau von Baumwolle benötigt jedoch große Mengen Wasser und mehrheitlich werden Pestizide eingesetzt. Die Bewässerung der Baumwollfelder, die Reinigung der Baumwolle sowie die Veredelung der Garne benötigen durchschnittlich 2.500 Liter Wasser für die Produktion eines T-Shirts. Im Vergleich: Eine Badewanne fasst 150-180 Liter Wasser.
Bei der Ernte von Baumwolle werden außerdem häufig Sozialstandards missachtet und Arbeitsbedingungen sind schlecht.  
Auch Naturfasern, wie Baumwolle oder alternative Fasern auf Cellulosebasis setzen Mikrofasern z.B. bei privaten Waschgängen frei. Teilweise sogar mehr als Kunstfasern. Diese natürlichen Mikrofasern zersetzen sich allerdings mit hoher Geschwindigkeit biologisch im Wasser.

Mikrofasern

Polyester

ist eine künstliche Faser, die letztendlich aus Öl und damit einer nicht erneuerbaren Ressource gewonnen wird. Öl benötigt zig tausende Jahre, um zu entstehen, während der Boom der Fast-Fashion-Industrie einzig durch die Verwendung der günstigen Polyesterfasern angetrieben wird und diese in kurzlebigen Textilien verarbeitet werden. Kleidungsabfallmengen steigen kontinuierlich, was die knappe und endliche Ressource Öl zügig in ein nicht verwendetes Abfallprodukt verwandelt.
Polyester oder andere Plastikfasern, wie z.B. Polyacryl zeigen auf der anderen Seite keinerlei vollständige Abbauprozesse. Es wird häufig auf Kläranlagen gesetzt, die Mikroplastik zurückhalten sollen. Dies funktioniert in vielen Fällen auch zu 90% oder mehr. Die nicht zu erfassende Menge ist jedoch trotzdem enorm hoch und außerdem gelangt auch der Klärschlamm häufig in die Meere. Laut einer EU-Studie spülen allein Europas Waschmaschinen jährlich 30.000 Tonnen Synthetikfasern ins Abwasser. 

Die Problematik...

ist also einerseits, dass nicht biologisch abbaubare Mikrofasern in Ökosysteme gelangen, wo sie großen Schaden anrichten. Andererseits, dass auch biologisch abbaubare Mikrofasern freigesetzt werden, die im Falle von konventioneller Baumwolle durch Chemikalien oder Pestizide belastet sind.

Eine weitere Herausforderung ist das Recycling und die Wiederverwendung (Reuse). Die Antwort auf Ressourcenknappheit und Umweltschädigungen ist die Vermeidung jeglicher neuer Materialien. Stattdessen sollten Fasern genutzt werden, die bereits hergestellt wurden und recycelt werden können.
Polyester kann theoretisch kontinuierlich über ein technisches (chemisches) Recyclingverfahren recycelt werden, während Baumwolle in der Regel nur ein- oder zweimal recycelt werden kann und die Garnqualität dabei stark abnimmt.
Recyceltes Baumwollgarn muss daher aktuell durch Kunstfasern oder neu gewonnenes Garn verstärkt werden.  

Was nun? 

In der Kategorie der Baumwolle ist GOTS-zertifizierte Bio-Baumwolle eine sehr gute, aktuell vermutlich die beste Alternative und weist eine wesentlich bessere Öko-Bilanz auf. Ihr Marktanteil liegt gegenwärtig allerdings bei deutlich unter 1 Prozent. Weiterhin findet also 99% der globalen Baumwollgewinnung, -Veredelung und -Herstellung unter konventionellen Methoden statt. Durch die Zertifizierung durch den GOTS (Global Organic Textile Standard) wird bis zu 91% Wasser eingespart, auf Pestizide verzichtet sowie Sozialstandards eingehalten.

In der Kategorie von Polyester sollte, wenn ein gänzlicher Verzicht nicht möglich oder sinnvoll ist, zwingend recyceltes Polyester verwendet werden. In Bündchen, Kragen oder auch funktionalen Textilien sorgt Polyester für Stabilität, vermeidet das Einlaufen und kann langfristig Verformungen verhindern. Dies kann dazu führen, dass Konsumenten die Kleidung länger tragen und der Lebenszyklus verlängert wird. Recyceltes Polyester kann aus PET-Flaschen oder Kunstfasern hergestellt werden, ohne erneuten Bedarf an Öl-Ressourcen. So können Abfallprodukte in ein langlebiges Produkt verarbeitet werden. Recyceltes Polyester setzt außerdem deutlich weniger Mikroplastik frei, als neu hergestelltes Polyester.

Zu beachten und zu bewerten ist natürlich weiterhin der Energieaufwand für die Recyclingprozesse und die zugrundeliegende Energiequelle. Hierbei sollte auf erneuerbare Energien gesetzt werden.   

Weiterlesen im Magazin:

TENCEL: Lyocell und Modal

In der nachhaltigen Modeszene kommt man kaum mehr um die Bezeichnungen TENCEL, Modal und Lyocell herum. Meist stehen sie in Verbindung mit einem besonders angenehmen Tragegefühl und einer seidig-weichen Haptik, weshalb die Fasern einen besonders guten Ruf genießt. Doch was steckt eigentlich hinter dem Hype um TENCEL™? Tatsächlich ist TENCEL™ der Markenname, den sich die österreichische Lenzing AG für die Faserbezeichnungen Lyocell und Modal schützen ließ. Es gibt also einerseits TENCEL Lyocell-Stoff und andererseits TENCEL Modal-Stoff, die als Cellulosefasern allerdings beide ähnliche Vorteile haben.

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Hanf

Die Verwendung von Hanf in der Bekleidungsindustrie hat jahrhundertelange Tradition. Auch heute noch wird die Naturfaser aufgrund ihres umweltfreundlichen Anbaus und ihrer Langlebigkeit geschätzt. Bereits vor über 12.000 Jahren wurde Hanf im heutigen China angebaut und als Nutzpflanze vielseitig verwendet: für die Herstellung robuster Seile, als Speiseöl, in der Papierherstellung sowie in Form von Hanfbekleidung. Bevor es im 19. Jahrhundert durch preisgünstigere Baumwolle verdrängt wurde, gehört der bis zu vier Meter hohe Hanf zu den gängigsten Pflanzenfasern im Textilbereich. Seit einigen Jahren gibt es Versuche, Hanffasern wieder zurück in die Modeindustrie zu bringen. Grund dafür sind der geringe Wasserbedarf und der hohe Ertrag der Pflanze, die Nutzhanf zu einem besonders nachhaltigen Textilrohstoff machen.

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Natürliche Materialien: Gut für die Haut, gut für die Umwelt

Die Haut ist das größte Organ unseres Körpers. Umso wichtiger, dass wir mit hochwertiger Kleidung nur Materialien an uns lassen, die unsere Haut nicht durch Schadstoffe belasten. Tagtäglich ist unsere Haut verschiedensten Beanspruchungen ausgeliefert: etwa durch Kleidung, Schweiß oder Sport. Um die Beanspruchung zu minimieren, spielt unsere Kleidung eine wichtige Rolle. Das gilt insbesondere für Menschen mit Ekzemen, Neurodermitis oder besonders empfindlicher Haut. Durch die Wahl von natürlichen Materialien frei von Schadstoffen können die negativen Einflüsse von Kleidung auf unsere Haut drastisch minimiert und zugleich die Umwelt und die an der Produktion beteiligten Menschen geschützt werden.

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Die wichtigsten Textilsiegel auf einen Blick

Woran erkenne ich, dass ein Textil unter fairen Arbeitsbedingungen und umweltfreundlich hergestellt wurde? Um sicherzustellen, dass du faire Mode kaufst, kannst du beim Online Shopping oder Einkaufen im Laden auf Textilsiegel achten. In diesem Blog-Artikel erfährst du, was Textilsiegel sind und erhältst eine Übersicht der häufigsten Textilsiegel, die in der Mode- und Textilindustrie verwendet werden.

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