Warum wir etwas gegen Plastik im Meer tun müssen

Annina Arnold

Nachhaltigkeits-Expertin im Bereich faire Mode und bewusstes Leben.

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Das Problem mit Plastik im Meer

Dass Plastik im Meer ein großes Problem ist, dürfte wohl jede:r wissen. Die Bilder von Plastik im Meer, oft mit verhedderten Tieren, sind erschreckend. Doch wie gelangt Plastik eigentlich ins Meer? Und was genau bedeutet das genau? Wieso Plastikmüll im Meer auf so vielen Ebenen Probleme verursacht, haben wir für euch zusammengefasst. Plastik im Meer sammelt sich vor allem in sogenannten Meeresdriftströmungswirbeln. Am bekanntesten: der Great Pacific Garbage Patch. Die Müllinsel umfasst eine Fläche, die etwa 4,5-mal so groß wie Deutschland ist. Besonders für Tiere ist der Müll im Meer besonders gefährlich. Sie verwechseln den Abfall mit Futter, fühlen sich so satt und verhungern mit plastikgefülltem Magen. Jährlich sterben so 1 Million Seevögel und 100 000 andere Meereslebewesen. Im März 2019 wurde im Magen eines Cuvier-Schnabelwals 40 Kilogramm Plastikabfall gefunden, der Grund für seinen Tod. Tun wir nichts gegen die Verschmutzung der Meere, wird 2050 mehr Plastik als Fische im Meer schwimmen.

Wie viel Plastik ist im Meer?

Laut Schätzungen waren im Jahr 2018 86 Millionen Tonnen im Meer, wobei nur der geringste Teil auf der Meeresoberfläche treibt. Mittlerweile findet man in den entlegensten Winkeln der Erde Plastik. Selbst im Marianengraben, dem tiefsten Punkt der Weltmeere, wurde Mikroplastik in beachtlichen Mengen gefunden. In einer 2018 veröffentlichten Studie mit Eisproben fanden Forscher:innen heraus, dass pro Liter Meereis zwischen 33 und 75 143 Mikroplastik-Teilchen sind. Im Mittelmeer kommen auf zwei Planktonwesen ein Teil Mikroplastik, eine Umweltverschmutzung höchsten Ausmaßes.
In Deutschland gelangen in die Nordsee jährlich ca. 20 000 Tonnen Müll ins Meer, wobei der Großteil von Fischerei und Schifffahrt kommt. Im Lebensraum der Wattwürmer macht der Kunststoff Polyvinylchlorid mehr als ein Viertel der Mikroplastikartikel aus. Aus Polyvinylchlorid werden beispielsweise Kreditkarte, Fußbodenbeläge oder Fensterrahmen hergestellt.

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Wie kommt Plastik ins Meer?

Alleine 32 Prozent der Kunststoffverpackungen werden weder deponiert noch verbrannt, sondern verlassen das System unkontrolliert. Nur 2 Prozent wird qualitätsgleich recycelt. Die Fischereibranche ist für einen großen Teil des Plastiks in den Meeren verantwortlich. Gerade in den verloren gegangenen „Geisternetzen“ verfangen sich Tiere. Jährlich geraten ca. 25 000 Fischfang-Nylonnetze in die Umwelt. Laut dem Umweltbundesamt ist von mindestens 136 Tierarten bekannt, dass sie sich regelmäßig in Müllteilen strangulieren, beispielsweise Delfine oder Seehunde. Solche Nylonnetze brauchen 600 Jahre für ihre Zersetzung.

Auch die Modebranche ist nicht unschuldig am Plastik in den Meeren. Immerhin landet Textilwäsche auf Platz 10 der Mikroplastik-Emissionen. Durch jeden privaten Waschgang mit Kleidung aus Polyester, Nylon oder Acryl gelangt Mikroplastik ins Wasser. Gerade Fleece-Stoffe brechen Rekordsätze bei Mikroplastik. Geographisch gesehen sind China, Indonesien, Vietnam und die Philippinen die Hauptverursacher. Doch dieses Länderranking ist mit Vorsicht zu genießen, denn Deutschland gehört neben den USA und Japan zu den größten Plastik-Exporteuren. Zielländer: Malaysia, Thailand und Vietnam. Vor Ort fehlt dann die nötige Infrastruktur und so landet ein nicht kleiner Anteil früher oder später im Meer.

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Was kann ich gegen Plastik im Meer tun?

Das Gute ist: du kannst die Meere auf viele Arten vor Plastikfluten schützen. Wie wäre es zum Beispiel mit einer Anpassung der Ernährung? Je weniger Fisch gegessen wird, desto weniger wird gefischt, desto weniger landen Netze im Meer. Aber auch eine regionale Ernährung hat Vorteile: oft benötigt das Obst und Gemüse nicht so viel Verpackung wie Lebensmittel aus der Ferne. 

Generell lohnt sich natürlich ein Verzicht auf möglichst viel Plastik. Die Alternativen dürften bekannt sein: wiederverwendbare Beutel, Strohhalme, To-Go-Boxen oder einfach der regelmäßige Besuch eines Unverpackt-Ladens. 

Spezielle Waschbeutel helfen gegen Mikroplastik bei Waschgängen, noch besser ist auch bei der Mode ein Verzicht auf Plastik. Kleidung aus 100% Bio-Baumwolle oder Merinowolle fühlt sich also nicht nur angenehmer an, sondern ist auch noch gut für die Meere. 

Doppelt umweltfreundlich: verzichte auf Autofahrten. Denn: In Deutschland sind auf Platz 1 der Mikroplastik-Emissionen Reifen, danach folgen Abfallentsorgung und Asphalt. Helfen können auch Aufräumaktionen, um die Natur von Plastik zu befreien. Gerade Flüsse sind hervorragende Mülltransporter für herumfliegenden Müll. Sie transportieren Plastik über Hunderte von Kilometern bis ins Meer. Deshalb schützt du durch Sammeln von Müll auch die Meere, selbst wenn du gar nicht an der Küste wohnst.

Dein Privatleben ist schon möglichst plastikfrei? Dann mach Druck auf politische Entscheider:innen für mehr Regulationen! Außerdem gibt es viele wichtige Organisationen, die sich gegen Plastik im Meer einsetzen und Lösungen zeigen, zum Beispiel The Ocean Cleanup, Küste gegen Plastik, der Naturschutzbund Deutschland oder Ocean Conservancy. Auch der SALZWASSER e.V. setzt sich gegen Plastik im Meer ein. 

Quelle: Plastikatlas 2019, Heinrich-Böll-Stiftung

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