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Rückverfolgbarkeit und Transparenz - so wird die Modeindustrie tatsächlich nachhaltiger 

Nina Kegel

Nachhaltigkeits-Expertin im Bereich bewusster Konsum und umweltgerechtes Leben

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Rückverfolgbarkeit und Transparenz sind wichtige Aspekte einer nachhaltigen Textilindustrie. Wie textile Lieferkette transparenter und nachhaltiger gestaltet werden können und was wir bei SALZWASSER dafür tun.

“Green collection”, “nachhaltige Materialien”, “verantwortungsvolle Produktion”: Die Werbeversprechen der führenden Modeketten sind ebenso vielfältig wie die Vorwürfe des Greenwashings, die damit einhergehen. Denn detaillierte Rückverfolgbarkeit und transparente Lieferketten werden von vielen Unternehmen höchstens rudimentär behandelt. Aus diesem Grund spielt die Forderung der Endkund:innen nach transparenten Lieferketten ebenso wie das Lieferkettengesetz eine wichtige Rolle: Schließlich werden insbesondere große Modeunternehmen erst dann zu einer besseren Verwaltung der Lieferkette bewegt, wenn Transparenz zum Kaufkriterium oder zur gesetzlichen Vorgabe wird.

Die Inhalte:

  • Rückverfolgbarkeit und Transparenz auf dem Prüfstand
  • Lieferkettengesetz: Endlich transparente Lieferketten?
  • Blockchain-Technologie erleichtert Rückverfolgbarkeit und Transparenz
  • Wie wir für Nachhaltigkeit in der Lieferkette sorgen
  • Häufige Fragen
  • Weiterlesen im Magazin

1. Rückverfolgbarkeit und Transparenz auf dem Prüfstand

Wirklich auf dem Prüfstand gestellt werden die grünen Werbeversprechen erst, wenn es um Rückverfolgbarkeit und Transparenz im Einzelnen geht. Gerade bei Produkten, denen so viele Arbeitsschritte vorweggehen, sind diese Aspekte schließlich gar nicht so einfach: vom Anbau der Baumwolle über Färberei, Konfektionierung und Stickerei, bis hin zu Transport, Lager und stationärem Handel – überall bietet mangelnde Überwachung Spielraum für Umweltverschmutzung und Menschenrechtsverletzungen. Die komplexe Lieferkette gleicht dabei einer Blackbox, an deren Inhalt leider nicht alle Herstellenden genügend Interesse zeigen.

Schließlich liegt es auch an den Herstellenden, die Rückverfolgbarkeit der textilen Lieferkette und damit die Transparenz der einzelnen Arbeitsschritte zu fordern. Nur, wenn die Unternehmen selbst wissen, wie und wo die Materialien produziert und ihre Kleidungsstücke gefertigt werden, können Nachhaltigkeit-Versprechen an die Konsument:innen guten Gewissens gemacht werden. Umso dringender sollte die Forderung an Modeunternehmen sein, transparente Lieferketten zu gewährleisten, um die Modeindustrie tatsächlich nachhaltiger zu gestalten. Transparenz meint dabei allerdings nicht nur, woher etwa die Baumwolle eines Shirts kommt oder wie diese herstellt wurde, sondern auch, welchen Einfluss die Herstellung auf die Umwelt hat oder welche Rolle CSR (Corporate Social Responsibility, den gesellschaftlichen Einfluss eines Unternehmens) bei den zuliefernden Betrieben spielt.

Besuche in den Produktionsstätten zur Rückverfolgbarkeit und Transparenz

2. Lieferkettengesetz: Endlich transparente Lieferketten?

Das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) verpflichtet ab 1. Januar 2023 Unternehmen in Deutschland dazu, Menschenrechte entlang globaler Lieferketten zu sichern. Es soll gelten, bis die EU gemeinsame Lieferkettenrichtlinien erarbeitet hat, die dann für alle Mitgliedsstaaten gelten. Um die Bemühungen der Unternehmen zu prüfen, spielt die Rückverfolgbarkeit der Lieferkette bzw. eine Transparenz der einzelnen Arbeitsschritte eine wichtige Rolle.

Noch betreffen diese Verpflichtung zu transparenten Lieferketten allerdings nicht alle Unternehmen: Ab Anfang 2023 gilt es für deutsche Unternehmen mit mehr als 3.000 Mitarbeitenden, ab 2024 sinkt die Grenze auf Unternehmen mit 1.000 Mitarbeitenden. Ausnahmen bilden Unternehmen ab 500 Mitarbeitenden und einem Nettoumsatz von mindestens 150 Mio. Euro (ab 2023) bzw. ab 250 Mitarbeitenden und einem Nettoumsatz von mindestens 40 Mio. (ab 2025) – auch sie müssen sich gesetzlich an die Vorgaben des Lieferkettengesetzes halten, also Transparenz und Rückverfolgbarkeit gewährleisten. Zu diesen gehört etwa die Einrichtung eines Risikomanagements sowie eines Beschwerdeverfahrens für Menschen in der Lieferkette, deren Recht verletzt worden oder unmittelbar bedroht werden.

Außerdem müssen die Unternehmen dafür sorgen, dass alle Daten im Sinne der Transparenz gesammelt, gespeichert, analysiert sowie öffentlich zugänglich gemacht werden. So sollen auch für die Endkonsument:innen die Rückverfolgbarkeit eines gekauften Produkts gegeben sein. Bei Nichteinhaltung der Vorgaben des Lieferkettengesetzes drohen Bußgelder von bis zu acht Millionen Euro oder bis zu zwei Prozent des Jahresumsatzes.

Besuch in der Färberei, um eine transparente Lieferkette zu gewährleisten

3. Blockchain-Technologie erleichtert Rückverfolgbarkeit und Transparenz

Hilfestellung bei der Einhaltung der Vorgaben des Lieferkettengesetzes bietet ein Tool der Agentur für Wirtschaft und Entwicklung. Auch andere Projekte wollen für transparente Lieferketten sorgen – mit der Blockchain-Technologie, einem jungen, aber vielversprechender Ansatz, um die maximale Rückverfolgbarkeit der Lieferkette zu gewährleisten. In der Modeindustrie werden dabei Daten über die einzelnen Herstellungsschritte elektronisch in einer Datenkette, der Blockchain gespeichert. Dafür verwendet die Technologie einen Algorithmus, die jedem Block einen kryptografischen Hash (eine Kombination aus Buchstaben und Zahlen) zuordnet. Zudem enthält jeder Block Hash und Zeitstempel der vorhergehenden Blocks, sodass die Verbindung zwischen aufeinanderfolgenden Blöcken nachverfolgbar bleibt.

Um der Blockchain einen neuen Block – bspw. mit Informationen über eine Material-Transaktion in der textilen Lieferkette – hinzuzufügen, müssen zunächst mehrere Mitglieder der Datenkette diesen Eintrag validiert haben. Anschließend ermöglicht die Kombination aus Kryptografie und Zeitstempeln, dass die einzelnen Blocks der Blockchain nicht mehr geändert werden können. Gleichzeitig können alle Mitglieder der Blockchain die Informationen dezentral und in Echtzeit abrufen, wodurch in der Technologie das Potenzial steckt, die Verwaltung von Lieferketten zu revolutionieren und deren Transparenz und Rückverfolgbarkeit zu gewährleisten.

Ablauf einer Blockchain-Transaktion:

  • Mitglied "A" reicht eine Transaktion ein, um "B" zu bezahlen. Die Transaktion wird als Block dargestellt. 
  • Dieser Block wird an jedes Mitglied des Peer-to-Peer-Netzwerks zur Überprüfung gesendet.
  •  Der Block wird mit jeder Kopie des Hauptbuchs verglichen. Bei Übereinstimmung wird die Transaktion genehmigt. 
  • Die Transaktion ist abgeschlossen, der Block wird als neuester Teil der Blockchain hinzugefügt.
Blockchain Technologie

4. Wie wir für Nachhaltigkeit in der Lieferkette sorgen

Auch wir beschäftigen uns tagtäglich damit, unsere nachhaltige Lieferkette weiter zu verbessern. Fakt ist allerdings, dass es insbesondere für uns als kleines Unternehmen gar nicht so einfach ist, Rückverfolgbarkeit zu schaffen. In den letzten drei Jahren mussten wir im Austausch mit Zuliefernden und Partner:innen immer wieder feststellen, dass unsere tiefgreifenden Fragen nach Transparenz von Arbeitsbedingungen oder Rückverfolgbarkeit der Rohstoffe immer wieder für überraschte Blicke sorgten. Schließlich ist es im Zuge der Globalisierung zur Norm geworden, dass sich Lieferkette und -wege immer mehr ausdehnen – häufig zulasten der Transparenz über die Arbeitsbedingungen vor Ort.

Umso glücklicher sind wir darüber, an unseren Produktionsstandorten in Portugal und Norddeutschland eigene Lieferketten aufgebaut haben zu können, die es uns ermöglichen, zuliefernde Betriebe wie Färberei, Druckhaus, Stickerei und Stofflieferanten persönlich zu besuchen. So sind in den letzten drei Jahren freundschaftliche Beziehungen zu unseren Partner:innen entstanden. Einen eigenen Eindruck davon, wie SALZWASSER-Stücke produziert werden, könnt ihr euch hier verschaffen.

Besuche in den Produktionsstätten zur Rückverfolgbarkeit und Transparenz

Dass innerhalb der gesamten Lieferkette soziale und ökologische Kriterien eine wichtige Rolle spielen, bestätigt außerdem das GOTS-Siegel. Zwischenzertifikate im Verlauf der Lieferkette ermöglichen es dabei, auch einzelne Betriebe identifizierbar zu machen. Was diese Zwischenschritte, von Produktion bis Logistik, für den Kaufpreis eines Kleidungsstückes bedeuten, könnt ihr zudem hier nachlesen. Indem wir transparent unsere gesamte Wertschöpfungskette offenlegen, wollen wir ein besseres Verständnis dafür schaffen, wie unsere Preise zustande kommen – und erklären, wieso ein T-Shirt, das unter fairen Bedingungen produziert wurde, keine fünf Euro kosten kann.

Und auch in Zukunft werden Transparenz und Rückverfolgbarkeit für uns keine Buzzwords bleiben: Denn auch für euch soll jeder Schritt hinter einem SALZWASSER-Piece ersichtlich sein – für eine neue Wertschätzung gegenüber der Kleidung, die wir jeden Tag tragen. #focusontheessential

4. Häufige Fragen

Weiterlesen im Magazin:

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