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Sustainable Fashion - Die Zukunft der Mode(industrie) 

Nina Kegel

Nachhaltigkeits-Expertin im Bereich bewusster Konsum und umweltgerechtes Leben

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Der Siegeszug von Fast Fashion ließ die Emissionen der Modeindustrie stark ansteigen. Verschiedene Sustainable Fashion-Ansätze wirken dieser Entwicklung entgegen. Wir haben die jüngsten Entwicklungen zusammengefasst.

Dem 2020 veröffentlichten Bericht „Fashion on Climate“ zufolge verursacht die Textilindustrie derzeit unglaubliche 2,1 Milliarden Tonnen CO2 pro Jahr. Werden keine tiefgreifenden Maßnahmen gegen den derzeitigen Trend ergriffen, soll dieser Wert bis 2030 auf über 2,7 Milliarden Tonnen steigen. Um das 1,5-Grad-Ziel einzuhalten, so der entsprechende Bericht, müsse sich die Branche drastisch verändern: Einsparungen um rund 50% – also auf rund 1,1 Milliarden Tonnen – sind dafür bis 2030 nötig.

Erreicht werden kann dies nur durch ein konsequentes Umdenken in Richtung Sustainable Fashion. Wie diese nachhaltige Modeindustrie konkret aussehen kann, zeigen verschiedene Initiativen mit Ideen, die Hoffnung machen.

Die Inhalte:

  • Circular Fashion – Ein Kreislauf für Kleidung
  • Recycelte Materialien – die Zukunft von Sustainable Fashion?
  • Sustainable Fashion durch nachwachsende Rohstoffe
  • Zunehmende GOTS-Zertifizierungen
  • Sustainable Fashion per Gesetz
  • Neues Image für Second-Hand
  • Nearshoring verändert Lieferketten
  • Mieten statt kaufen 
  • Häufige Fragen
  • Weiterlesen im Magazin

1. Circular Fashion – Ein Kreislauf für Kleidung 

Um den Kleidungskonsum nachhaltiger zu gestalten, geht es vor allem darum, Kleidung möglichst lange zu tragen. Doch auch um das “Danach” macht sich die Sustainable Fashion-Industrie Gedanken. Der Cradle 2 Cradle-Ansatz setzt sich dabei dafür ein, für Kleidungsstücke einen Kreislauf zu schaffen, in dem die Rohstoffe wie Baumwollfasern wiederverwendet werden können. Durch die Verwendung von sortenreinen Materialien wie 100% Baumwolle kann das Recycling vereinfacht werden – und aus nicht mehr brauchbaren Kleidungsstücken neue Lieblingsteile werden. Damit wirkt der Cradle 2 Cradle-Ansatz den hohen Emissionen der Modeindustrie entgegen, die für mehr Emissionen verantwortlich ist als Deutschland, Frankreich und Großbritannien zusammen. 

2. Recycelte Materialien – die Zukunft von Sustainable Fashion?

Um die Bekleidungsindustrie ökologisch und sozial verträglicher zu gestalten, ist die Wahl der Materialien ein zentraler Aspekt. In Sachen Sustainable Fashion bewegen sich die Produzent:innen auf einem spannenden Feld zwischen Tradition und Innovation. Besonders etabliert hat sich dabei der Gebrauch von recycelten Materialien wie Plastik oder PET, doch hier ist Skepsis geboten: Die Nutzung von PET-Flaschen klingt zwar für die Verbaucher:innen sinnvoll, doch werden die PET-Flaschen damit ihrem Kreislauf in der Lebensmittelindustrie entnommen. Stattdessen ermutigt die Europäische Kommission die Unternehmen dazu, ihre Anstrengungen auf das Faser-zu-Faser-Recycling zu konzentrieren, also Polyester aus bereits genutzten Polyesterfasern zu gewinnen. Die Kritik, nach der synthetische Textilien in ihrem Lebenszyklus weiterhin Mikroplastik freisetzen, bleibt allerdings auch hier bestehen.

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3. Sustainable Fashion durch nachwachsende Rohstoffe

Die Suche nach möglichst umweltverträglichen Materialien sorgt nicht nur dafür, dass zahlreiche Produzent:innen versuchen, den Anbau von Baumwolle oder Leinen nachhaltiger zu gestalten. Auch schaffen es zunehmend neue Fasern ins Sustainable Fashion-Universum. Dazu gehört etwa TENCEL™, eine Faser, die aus dem Zellstoff der Buche industriell hergestellt wird. Diese weiterentwickelte Form von Viskose ist besonders weich, langlebig und atmungsaktiv und dabei zugleich biologisch abbaubar. Einzig der Preis des Materials hemmt bisher noch dessen Siegeszug. Doch wir sind überzeugt: Sustainable Fashion kann nur funktionieren, wenn Langlebigkeit und Qualität einen günstigen Kaufpreis als Kaufargument überstimmen. 

4. Zunehmende GOTS-Zertifizierungen

Um unseren Kund:innen zu garantieren, dass SALZWASSER-Stücke allumfassend ökologisch und sozial nachhaltig hergestellt, verpackt, gehandelt und vertrieben werden, setzen wir auf die Zertifizierung durch das GOTS-Siegel. Damit sind wir nicht allein: Der weltweit führende Textilstandard beendete das Jahr 2021 mit einer Rekordzahlvon 12.338 GOTS-zertifizierten Betrieben, 19 % mehr als im Vorjahr. Außerdem gaben etwa 75 % aller GOTS-zertifizierten Unternehmen an, ihre Umsätze nach der Zertifizierung gesteigert haben zu können. Im Juli 2022 wurden zudem Dokumente, die wichtige Informationen bzgl. der Rückverfolgbarkeit und Transparenz von GOTS-Waren beinhalten, weiter optimiert. 

5. Sustainable Fashion per Gesetz

Im April diesen Jahres veröffentlichte die EU-Kommission einen Entwurf für eine „Sustainable Products Initiative“ (SPI), der Fast Fashion schon 2030 verbieten könnte. Der Gesetzentwurf beinhaltet unter anderem Kriterien wie Emissionen, Arbeitsbedingungen, Recyclingfähigkeit oder Reparierbarkeit und soll so den Anteil recycelter Kleidung (bisher bei lediglich einem Prozent) bis 2030 deutlich erhöhen. Die EU-Strategie für nachhaltige und zirkuläre Textilien beschreibt demnach eine nahe Zukunft, in der Fair Fashion aus der Mode ist und wirtschaftlich rentable Wiederverwendungs- und Reparaturdienste weit verbreitet sind. Zudem würden die Herstellenden die Verantwortung für ihre Produkte entlang der gesamten Wertschöpfungskette übernehmen und das Ökosystem der Kreislaufwirtschaft für Textilien florieren. 

Außerdem billigte der Bundesrat im Juni 2021 das sogenannte Lieferkettengesetz, das die Einhaltung der Menschenrechte entlang der gesamten Lieferkette garantieren soll. Dabei wären die Unternehmen etwa dazu gezwungen, zur Überprüfung der gesamten Lieferkette – vom Rohstoff bis zum fertigen Verkaufsprodukt – gezwungen. Zudem gebe es Kontrollen durch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle.

6. Neues Image für Second-Hand

Längst schon konnte “Second Hand” sein schmuddeliges Image abschütteln. Stattdessen schießen hipstereske Second-Hand-Shops auch in den großen Shoppingmeilen wie Pilze aus dem Boden, Thrift-Shopping scheint zum neuen Trendhobby geworden zu sein. Auch online begeben sich mittlerweile viele Fashion-Begeisterte auf die Suche nach Kleidungsstücken aus zweiter Hand: Allein im August 2022 konnte die größte deutsche Plattform für Second-Hand-Mode vinted 9,4 Millionen visits verzeichnen.

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7. Nearshoring verändert Lieferketten

Nearshoring heißt der neueste Offshoring-Trend. Dabei werden Teile der Lieferkette näher an die Konsument:innen verlagert, häufig also näher nach Europa. Was zunächst durch reduzierte Lieferwege nach einer nachhaltigen Entwicklung klingt, ist bei vielen Unternehmen vielmehr ökonomisch motiviert. Durch Nearshoring in Ländern wie der Türkei können die Produktionskosten noch immer niedrig gehalten und dabei zusätzlich die Versandkosten reduziert werden. Außerdem sorgt der kürzere Versand dafür, dass die Trendteile noch schneller bei den Verbraucher:innen landen – in einer Zeit, in der Social Media die Trends bestimmen, ein wichtiger Faktor. Nicht zuletzt macht auch die Pandemie deutlich, wie vorteilhaft es ist, kurze Lieferwege zu haben und nicht von der Stabilität eines weit entfernten Landes abhängig zu sein.

8. Mieten statt kaufen

Leihen ist das neue Haben. So die Devise von einer größer werdenden Anzahl an Start-Ups, die meist in Form schicker Apps daherkommen und das Leihen – oder in deren Jargon “Leasen” – zum Geschäftsmodell haben. Kund:innen bekommen die gewählte Kleidung dabei nach Hause geschickt und senden sie nach einem bestimmten Zeitraum einfach wieder zurück, danach gehen die Teile an die nächste Person. Was nach dem perfekten Modell für eine Gesellschaft mit einem so ausgeprägten Bedürfnis nach Neuem klingt, hat allerdings seine Kehrseiten: Forschende der finnischen LUT-Universität fanden heraus, dass das Ausleihen von Mode durch den Versand und das Wiederaufbereiten sehr viel umweltschädlicher ist als angenommen. Zwar kann das Leihen von Kleidung für besondere Anlässe Sinn machen, Teil des Alltags sollte es allerdings nicht werden. Schließlich, so halten die Forschenden fest, bleibt die beste Lösung, um Emissionen zu reduzieren, schlichtweg weniger zu besitzen.

9. Häufige Fragen

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