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Upcycling und Recycling: Wie nachhaltig ist das wirklich?

Nina Kegel

Nachhaltigkeits-Expertin im Bereich bewusster Konsum und umweltgerechtes Leben

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Mit Upcycling und Recycling soll die Lebensspanne eines Produkts verlängert werden, um Geld und Ressourcen zu sparen. Doch wie nachhaltig ist das wirklich?

Geht es um einen nachhaltigen Lebensstil, kommt man um die Aufforderung zum Upcycling und Recycling kaum herum. Nur logisch, schließlich sind Produkte vor allem dann nachhaltig, wenn man sie besonders lange nutzt – und Upcycling und Recycling sind Wege, die Lebensspanne eines Produkts zu verlängern und somit wertvolle Ressourcen zu sparen. Doch was verbirgt sich genau hinter den Buzzwords? Und welche Tücken stecken Upcycling und Recycling?   

Die Inhalte:

  • Was ist Recycling?
  • Recycling in der Textilindustrie 
  • Was ist Upcycling?
  • Upcycling in der Textilindustrie
  • Fazit
  • Häufige Fragen

Was ist Recycling?

Wie der Name schon sagt, werden beim Recycling (auch: Rezyklierung) Abfallprodukte in den Stoffkreislauf zurückgeführt. In industriellen Prozessen werden die Ausgangsmaterialien zu Rezyklat, das dann für ein neues Produkt wiederverwendet werden kann. Zugunsten des Umweltschutzes muss es ein internationales Ziel sein, die Wiederverwendung von Rohstoffen durch Stoffkreisläufe weiter voranzutreiben, um Ressourcen zu sparen und Müll zu reduzieren.

Recycling in der Textilindustrie

Die einfachste Möglichkeit, die Lebensspanne eines Kleidungsstücks zu verlängern, ist, es weiterzugeben, wenn du keinen Nutzen mehr dafür hast. Wie genau das aussehen kann, erfährst du hier. Geht es um Textilrecycling auf industrieller Ebene, existieren allerdings viele Fehlwahrnehmungen. Einerseits werden in der EU tatsächlich nur weniger als ein Prozent aller Altkleider zu Fasern recycelt, andererseits handelt es sich meist vielmehr um Downcycling: 40 bis 45 Prozent aller Altkleider können aufgrund mangelnder Qualität nur noch zu Putzlappen, Dämmmaterial oder Malervlies weiterverarbeitet werden. Schuld daran ist auch die Tatsache, dass ein Großteil der Fast Fashion-Kleidungsstücke aus Mischfasern besteht, die nicht recycelt werden können.

Neben diesen Fasern, die durch Post-Consumer-Recycling wieder in den Stoffkreislauf gelangen (also nachdem sie getragen wurden), findet auch Pre-Consumer-Recycling statt. Hierbei handelt es sich um Teile, die es etwa als Überbestände nie zu Konsument:innen geschafft haben. Gemeinsam werden diese Kleidungsstücke dann durch Schreddern zu recycelten Fasern verarbeitet. Durch diesen Recyclingprozess nimmt allerdings die Qualität der Fasern ab, weshalb bei der Herstellung neuer Kleidungsstücke nur teilweise recycelte Fasern verwendet werden, um die Langlebigkeit des Kleidungsstücks zu gewährleisten.

Plastikrecycling in der Textilindustrie

Auch Plastikrecycling wird in der Textilindustrie zunehmend zum (umstrittenen) Thema: Denn auch, wenn viele Unternehmen sich mit dem Versprechen schmücken, für ihre sustainable collections auf recycelte Materialien zurückzugreifen, bleibt deren Herkunft häufig undurchsichtig. Insbesondere beim Recycling von PET, einem Kunststoff aus der Familie der Polyester, ist Greenwashing präsent: Einerseits ist nicht immer klar, ob die Flaschen tatsächlich – wie versprochen – in einer Clean-Up-Aktion aus dem Meer geholt wurden, andererseits handelt es sich auch hier vielmehr um Downcycling. Die Flaschen werden dem geschlossenen Kreislauf in der Lebensmittelindustrie entwendet und verlieren durch die Wiederverwendung an Stoffgemischen deutlich an Wert. 

Altkleider, die durch Recycling zu neuer Kleidung werden könnte

Was ist Upcycling?

Aus alt wird neu: Beim Upcycling werden nicht mehr gebrauchte Gegenstände mit etwas Mühe und Kreativität aufgewertet. Es handelt beim Upcycling also nicht um industrielle Prozesse, sondern eher um individuelle DIY-Projekte. Da Upcycling-Prozesse mit weniger Aufwand verbunden sind, könnte man Upcycling als nachhaltigere Form des Recyclings verstehen. Insbesondere auf Social Media existiert mittlerweile eine Vielzahl von Upcycling-Ideen, um vermeintlichen Müll in sinnvolle Gegenstände zu verwandeln. Das Umsetzen von Upcycling-Ideen umzusetzen macht dann Sinn, wenn der Prozess des Upcyclings dafür sorgt, dass der Gegenstand eine neue Verwendung bzw. einen höheren Wert erhält.

Upcycling in der Textilindustrie

Beim Upcycling in der Textilindustrie werden bereits vorhandene Kleidungsstücke durch Umnähen, Färben o.Ä. aufgewertet. Doch auch, wenn einige Definitionen besagen, dass ein Gegenstand beim Upcycling seine eigentliche Funktion behält, sind andere Definitionen offener. Demnach könnte auch das Umnähen eines Shirts zu Scrunchies (flauschige Haargummis), Haarbändern oder Beuteln eine Form des Upcyclings sein, wenn dieses aufgrund von Flecken nicht mehr getragen wird.

Fazit

Für einen generellen Wandel in der Modeindustrie ist es nötig, sowohl Recycling als auch Upcycling weiter voranzutreiben und so die vorhandenen Fasern und Stoffe sinnvoll zu nutzen. Ein Weg, um Recycling zu ermöglichen, ist, auf 100 Prozent-Materialkompositionen statt auf Mischgewebe zu setzen, da letztere nicht recycelt werden können. Vor allem aber geht es darum, durch hohe Qualitätsstandards, eine hochwertige Materialauswahl und zeitlose Designs dafür zu sorgen, dass das Kleidungsstück möglichst lange tragbar ist. Denn sowohl Upcycling als auch Recycling sind mit Kosten und Ressourcen verbunden, die sorgfältig durchdacht werden sollten.

Häufige Fragen

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